KALZ - Kölner Arbeitslosenzentrum e.V.

Das Team vom KALZDas Team vom KALZ

 

Das entstehende Arbeitslosenzentrum sollte durch Beratung und Erfahrungsaustausch, durch Lernen, Arbeiten und Freizeitgestaltung für, von und mit Arbeitslosen, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, durch Zusammenarbeit mit allen Gruppen und Institutionen, die sich mit Arbeitslosigkeit beschäftigen, und mit dem Ziel, aus diesem Zentrum heraus Projekte für „neue“ Arbeit zu entwickeln, die inhaltliche und praktische Beschäftigung mit der Massenarbeitslosigkeit als die größte diakonische und gesellschaftsdiakonische Herausforderung an die Kirche, die nach dem 2. Weltkrieg an sie gestellt ist, ermöglichen und fördern. In diese Arbeit sollten Arbeitslose, Arbeitslosentreffs und -initiativen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände mit eingebunden werden.

Die Arbeit begann im Februar 1983 mit Beratungsangeboten im Ev. Gemeindehaus Fröbelstraße und im Ev. Sozialwerk im Haus der ev. Kirche, Kartäusergasse. Zum 01. Juni 1983 wurden die Räume in der Philippstraße 23 in Ehrenfeld bezogen. Am 04. Oktober 1985 wurde der Verein Kölner Arbeitslosenzentrum (KALZ) e.V. gegründet, der nach der Pilotprojektphase die Trägerschaft übernehmen sollte.
Keiner der Gründungsmütter und -väter konnte sich damals vorstellen, dass es nach fast drei Jahrzehnten immer noch das Problem Massenarbeitslosigkeit geben würde. Das Arbeitslosenzentrum wurde als eine notwendige, aber zeitlich befristete Antwort verstanden, bis es gelungen sei, „mit den notwendigen politischen Maßnahmen die Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen“.

Im Ladenlokal in der Philippstrasse wurden dann sehr schnell die zwei Bausteine unserer Arbeit tagtägliche Praxis: Hilfe zur Selbsthilfe für Erwerbslose und Beratung in allen Fragen der Arbeitslosigkeit. Diese Bausteine waren und sind bis heute das Fundament unserer Arbeit. Im KALZ finden Sie  auch heute noch den „Selbsthilfestützpunkt“ und die „Beratung in der Arbeitslosigkeit und bei drohender Arbeitslosigkeit“, die „Clubs der Arbeitssuchenden“ und das „Bewerbungszentrum“.

Mit dem Lobbyrestaurant LORE (seit Juli 1994) und der Überlebens­station GULLIVER (seit Januar 2001) hat das KALZ e.V. zusätzlich zwei Beschäftigungsprojekte für langzeitarbeitslose und obdachlose Menschen, die gleichzeitig ein wichtiges Angebot für Kölner Arme und Wohnungslose darstellen.

Ob in der überregionalen und der örtlichen Presse, in Fachpublikationen, in Rundfunk und Fernsehen oder unter „www.koelnerarbeitslosenzentrum.de“ im Internet – das KALZ ist zu einem wichtigen sozial- und arbeitsmarktpolitischen Akteur in unserer Stadt geworden und unsere Besucherzahlen lassen die „Abstimmung mit den Füßen“ auch erkennen: Im Jahr 2009 nutzten mehr als 2.000 Ratsuchende die Sozialberatung im KALZ, 11.300 Menschen waren zu Gast in der LORE und über 52.000 Gäste besuch­ten GULLIVER – um nur ein paar Zahlen zu nennen.

Neben dem Wert für die Nutzer bestätigt die jahrzehntelange Existenz des KALZ e.V. mit seinen Projekten aber auch eine andere, ungute Erfahrung. Wirtschaft und Politik waren und sind nicht in der Lage, das Problem der Arbeitslosigkeit grundlegend zu lösen. Millionen Arbeitsplätze fehlen in Deutschland. Die Vermittlung in Arbeit findet vielfach nicht in nachhaltige und Existenz sichernde Erwerbsarbeit, sondern zunehmend in befristete Arbeitsverhältnisse, in die Zeitarbeitsbranche und in den Niedriglohnbereich statt. Ein Fünftel aller ALG II – Berechtigten, Tendenz steigend, sind erwerbstätig und können sich und ihre Familien doch nicht existentiell absichern und benötigen deshalb aufstockende Leistungen. Vor allem an den langzeitarbeitslosen und armen Menschen geht der sogenannte „Aufschwung“ vorbei, während die „Krise“ mit ihren Erschütterungen auch deutlich die sozial benachteiligten Menschen trifft.

Gerade in den vergangenen Jahren haben sich unter den Bedingungen der Agenda 2010 die Lebensbedingungen von Millionen von arbeitslosen Menschen sowohl psychisch und sozial als auch wirtschaftlich massiv verschlechtert. Gleichzeitig hat die gesellschaftliche Diffamierung erwerbsloser Menschen weiter erheblich zugenommen. Bewährte Strukturen des zweiten Arbeitsmarktes wurden zerschlagen.

So ist die Tatsache, dass das „KALZ“ im Interesse seiner NutzerInnen mittlerweile rund drei Jahrzehnte besteht, einerseits ein Grund, allen Frauen und Männern zu danken, die mit ihrer Arbeit und/oder ihrer politischen und wirtschaftlichen Unterstützung das Arbeitslosenzentrum erst möglich und lebendig gemacht haben.

Die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation der Erwerbslosen und die aktuelle Arbeitsmarktpolitik im Kontext von Hartz IV sind andererseits ein Anlass, auf rund 30 Jahre Skandal der Massenarbeitslosigkeit hinzuweisen und von Politik und Wirtschaft neue Antworten und deutliche Kursänderungen anzumahnen, die eine Existenz sichernde Erwerbsarbeit für die betroffenen Menschen „fördert“ und ermöglicht und diese bei fehlenden Erwerbsmöglichkeiten nicht über die Grenzen ihrer seelischen, ökonomischen und sozialen Belastbarkeit „fordert“.